Virtueller Austausch….

Von gutem virtuellem Austausch, gelingender Interaktion und Kollaboration in digitalen Räumen träumen im Moment sicher viele Menschen – vor allem die Menschen, die sich aufgrund der Pandemie seit März oft in digitalen Räumen aufhalten. Da ich gelegentlich als Dozentin tätig bin, ging und geht es mir in dem Punkt nicht anders. Seit April habe ich vieles ausprobiert – manches war gut, manches hat mich nicht so ganz überzeugt. Wichtig war immer auch der Austausch mit anderen Menschen – durch die Feedbackrunden am Ende der Kurstage, mit anderen Dozentinnen und Dozenten im Rahmen der von einem Weiterbildungsträger organisierten freiwilligen Austauschrunden und vor kurzem im EPALE-Online-Training „Virtuellen Austausch kreativ gestalten“.

1. Wie ich darauf kam ….

Anfang Oktober entdeckte ich beim (üblichen) Scrollen durch meine Twittertimeline zufällig den Tweet mit der Ankündigung für das Online-Training. Es klang interessant und ich folgte dem Link im Tweet. Es gab allerdings zwei Hürden: (1) die Registrierung auf der Plattform EPALE und (2) die Bewerbung um einen Teilnahmeplatz.

Die Plattform EPALE ist ehrlich gesagt „gewöhnungsbedürftig“. Vermutlich habe ich mich schon zu sehr an Social-Media-Netzwerke gewöhnt, um den Charme von EPALE wirklich schätzen zu können (ja, sehr datenschutzfreundlich). Jedenfalls habe ich mich dort registriert und mich dann mit dem Link auf das Profil um die Teilnahme beworben.

Ich hatte das Thema und die Bewerbung schon ziemlich weit verdrängt, als ich am 3. November eine Email mit der freudigen Nachricht erhielt, dass ich unter 80 Bewerbungen für einen der 30 Plätze im Online-Training ausgewählt worden bin – einzige weitere Bedingung war die Bestätigung bis zum 06.11.2020. Das habe ich natürlich schnell gemacht.

Was man hier schon merkt: der Weg zum Online-Training war ziemlich formalisiert.

2. Der erste Online-Live-Termin

Der Weg zum ersten Online-Live-Termin führte – natürlich – über die Plattform EPALE. Wir sollten uns dort vorstellen und ich habe erst einmal vor mich hin geflucht, während ich mit den EPALE-Funktionen gekämpft habe….. Aber auch das ging dann irgendwann und der Live-Termin über Webex stand an. Wieder ein neues Videokonferenztool – was ja nicht schlecht ist (wobei man Webex besser nicht im Browser nutzen sollte, da dann einige Funktionen fehlen…..). Bei circa 30 Personen und nur 2,5 Stunden Zeit haben wir keine allgemeine und ausführliche Vorstellungsrunde gemacht (zum Thema pro und contra Vorstellungsrunde sollte ich demnächst mal etwas schreiben). Der Kern der Veranstaltung war die Zusammenarbeit in Kleingruppen, in denen wir über drei Fragen sprechen sollten – die Ergebnisse sollten wir in ein Cryptpad eintragen (ein Tool, das ich schon länger gerne nutze und das für solche Zwecke aus meiner Sicht sehr gut geeignet ist).

Die Fragen für die Kleingruppenarbeit lauteten wie folgt:

  1. Was ist meine Baustelle? 
  2. Was möchte ich erreichen, umsetzen, auf die Beine stellen?
  3. Haben wir ein (gemeinsames) Lernziel? Wie lautet es?

Es war spannend, mal selber in einer Gruppenarbeitssituation zu sein. Sonst kenne ich ja nur die andere Seite – nämlich dass ich Menschen in Kleingruppen zur gemeinsamen Bearbeitung von irgendwelchen Aufgaben schicke. Wir haben zunächst das getan, was ich bei meinen Gruppen auch vermute (und mir ehrlich gesagt auch wünsche): wir haben uns einander vorgestellt. Ich fand es sehr spannend, dass wir aus völlig unterschiedlichen beruflichen Bereichen kamen. Zugleich war es gar nicht so einfach in der Kürze der Zeit die Fragen zu besprechen und eine gemeinsame Antwort zu finden. Unsere Antwort war dann auch wenig konkret und eher allgemein gehalten.

Was mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich bewußt war: dies sollte grundsätzlich die Gruppe für eine gemeinsame Gruppenarbeit in den nächsten drei Wochen sein, mit dem Ziel die Frage 3 zu bearbeiten und Anfang Dezember im nächsten Online-Live-Termin zu präsentieren.

Zurück in der Großgruppe haben alle Gruppen kurz berichtet, was sie besprochen und im Cryptpad eingetragen haben. Sie wurden dann gefragt, ob eine gemeinsame Gruppenarbeit möglich und gewünscht ist. Ein Wechsel der Kleingruppe (jeweils drei Personen) und damit des Themas wäre sowohl zu diesem Zeitpunkt als auch später noch möglich gewesen. Trotzdem hätte es mir geholfen, zu Beginn der Gruppenarbeit schon klar zu wissen, dass dies die potentielle Gruppe ist und Frage drei die Aufgabe für die Gruppenarbeit.

Klarheit in den „Ansagen“ ist daher ein wichtiger Punkt, den ich für gelingende Interaktion und Kollaboration mitnehme.

Was ich aber ganz klar betonen möchte: es war in der Live-Online-Veranstaltung eine sehr herzliche und offene Gesprächs- und Arbeitsatmosphäre. Der Raum war schon 30 Minuten vor dem Start geöffnet, es wurde mit jedem/jeder getestet, ob das Mikro funktioniert und kleine Gespräche wurden geführt. Das hat mir sehr gut gefallen und das liegt sicherlich zu einem großen Teil an der sehr herzlichen und kompetenten Gesprächsführung von Christine Bertram und Maximilian Welter. Danke für diese heitere und fröhliche Atmosphäre! Ich glaube, dass die Atmosphäre und der Umgang miteinander tatsächlich ein sehr wesentlicher Erfolgsfaktor für guten Austausch und erfolgreiche Kollaboration sind!

3. Die Kleingruppenarbeit

Die Plattform EPALE stellte uns (oder zumindest mich!) im Hinblick auf die Organisation der Kleingruppenarbeit vor einige Herausforderungen. Innerhalb der Gruppe lassen sich keine Untergruppen anlegen, Diskussionsbeiträge werden per Email an alle Gruppenmitglieder gesendet, private Nachrichten sind immer nur an einzelne Teilnehmer:innen möglich. Kurz nach dem (theoretischen) Start der Kleingruppenphase schied auch noch eine Teilnehmerin aus unserer Gruppe aus, weil sie thematisch lieber an einem anderen Thema arbeiten wollte. So waren wir dann nur noch zu zweit….

Wir haben uns dann ganz klassisch zu einem Telefonat verabredet. In dem Telefonat haben wir nochmal über die Herausforderungen und mögliche Herangehensweisen gesprochen und ein kleines eigenes Cryptpad angelegt, um die Gedanken und Stichworte zu sammeln. Dabei blieb es dann auch, denn ich hatte mehrere Kurstage und meine Gruppenpartnerin hatte aufgrund der Pandemie keine Möglichkeit mehr, sich um die Gruppenarbeit zu kümmern.

Was ich mir allerdings gewünscht hätte: einen virtuellen „Ort“, wo/wie man die Kleingruppenarbeit hätte organisieren können. So fühlte sich das Online-Training plötzlich sehr „offline“ an.

4. Der zweite Online-Live-Termin

Während des zweiten Online-Live-Termins am 01.12. sollten die Gruppenarbeiten – soweit gewollt – präsentiert werden. Auch ohne präsentables Ergebnis wollte ich mir gerne die Präsentationen der anderen Gruppen ansehen und anhören. Was ich sehr schön fand: (1) eine Teilnehmerin hatte zunächst technische Schwierigkeiten die Präsentation zu starten – sie wurde vom Orga-Team wunderbar unterstützt und irgendwie hat es dann noch geklappt. (2) Es wurden für die Besprechung der Präsentationen Feedbackregeln aufgestellt. Je ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin aus der gesamten Gruppe sollte die Präsentation als Engel begleiten und alles suchen/notieren, was gut war und ein Teilnehmer/Teilnehmerin als Teufel. Die präsentierende Gruppe durfte sich dann aussuchen, wen sie zuerst hören wollte. Interessanterweise durfte bei allen Gruppen der Teufel beginnen, erst danach folgten jeweils die lobenden Worte des Engels. Nach Teufel und Engel waren dann weitere Rückmeldungen möglich.

Den Gedanken, wirklich zu jeder Präsentation etwas Gutes und Schönes zu sagen aber auch etwas Kritisches, fand ich sehr schön. Vor allem auch, dass das Feedback unmittelbar aus der Gruppe kam. Für die jeweiligen Gruppen wurde dieses Feedback dann auch noch in einem Cryptpad zusammengefaßt, so dass sie selbst einfach nur zuhören konnten.

Inhaltlich fand ich einige Aspekte sehr interessant und ich freue mich, dass die Präsentationen auch bei EPALE veröffentlich wurden. Was mir bei der Präsentation aber auch klar wurde: eigentlich ist das offizielle Ende des Online-Trainings irgendwie erst der Anfang. Mit dieser Basis könnte man gemeinsam Dinge ausprobieren, über Themen diskutieren und Ideen oder Konzepte entwickeln. Mal sehen, ob das möglich sein wird!

5. Was ich mitnehme?

Viele der vorgestellten Methoden und Tools kannte ich bereits, allerdings eben aus der Dozentinnensicht und nicht aus der Teilnehmer:innenperspektive. Selbst als Teilnehmerin habe ich manche Dinge anders wahrgenommen – „was sollen wir jetzt machen“, „welche Gruppe sind wir jetzt“, „wie lange haben wir Zeit“…. Ich hoffe, dass ich demnächst sehr viel mehr Verständnis habe, wenn Teilnehmer:innen solche Fragen stellen! Was mir auch bewußt geworden ist: wie wichtig die Atmosphäre im digitalen Raum für guten Austausch und gute Kollaboration ist. Ich glaube tatsächlich, dass Vernetzung und (informelle) Gespräche immens wichtig sind.

Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, am Online-Training teilzunehmen und über das, was ich sonst gelegentlich als Dozentin tue, nachzudenken!